Die Kunst der Bestimmung
Sämtliche Mitglieder der Royal Society (mit Ausnahme von Dr. Chrysander und dem Protokollanten Mr. Blane) sowie alle Herrschaften von Stand (mit Ausnahme derer von Fearnall) sind historische Personen. Was nicht heißen soll, dass der Roman die historische Wahrheit erzählt.
1. Die Gentlemen der Royal Society
John Aubrey (1626-1697)
wird von den Zeitgenossen beschrieben als umtriebiger, redseliger und stets von Geldsorgen geplagter Privatgelehrter, der sehr dem Alkohol zugetan ist ("versoffener Kerl", notiert Robert Hooke in sein Tagebuch). Von der Ausbildung her ist Aubrey Jurist. Heute kennt man ihn vor allem als Verfasser der "Brief Lives", einer Sammlung von Kurzbiographien berühmter Engländer, die erst im 19. Jh. aus dem Manuskropt veröffentlicht wurden und in Großbritannien in jedem bürgerlichen Bücherschrank stehen. Außerdem war Aubrey ein begeisterter Astrologe und einer der ersten Stonehenge-Forscher. Die inzwischen widerlegte, aber jahrhundertelang kanonische Deutung der Steinkreise als Druidentempel mit astrologischer Bedeutung stammt von Mr. Aubrey. Die Ausgrabungsarbeiten in Stonehenge in den 1920er Jahren folgten seinen Aufzeichnungen und die unterirdischen Konstruktionen heißen heute noch "Aubrey Holes". Aubrey besucht die Sitzungen des Royal Society sehr regelmäßig und unterhält sich dort mit größter Begeisterung über alle Wissenschaften der Welt; seine eigenen naturkundlichen Forschungen halten sich dabei in Grenzen.
Sir Christopher Wren (1632-1723)
kennt man heute vor allem als Architekten. Seine Bauten prägen das Stadtbild von London neben der St. Paul´s Cathedral sind noch ungefähr 20 weitere Kirchen von Wren erhalten, daneben eine Unzahl öffentlicher Gebäude, auch in Oxford und Cambridge klare, kühle, klassizistische, ungemütliche Bauten. Gemeinsam mit Robert Hooke organisiert er den Wiederaufbau von London nach dem Brand von 1666. Bevor er auf die Architektur umsattelt, ist Wren ein Naturwissenschaftler von einigem Rang (er erfand u.a. die Opiumnarkose) und Professor für Astronomie. Wren ist ein zurückhaltender und wohlerzogener Herr einer der wenigen Vertreter der barocken Intelligentsia in England, dem man keinen Hang zur Intrige nachsagt. Ebenso wie Hooke hat er behauptet, Newtons Gravitationsgesetze seien seine Idee gewesen das hat ihm jedoch, anders als Hooke, nicht weiter geschadet.
Samuel Pepys (1633-1703)
Wohlsituierter, durchschnittlich korrupter Admiralitätsbeamter mit guten Kontakten zum Hof. Sein Interesse an der experimentellen Gelehrsamkeit ist privater Natur, wissenschaftliche Leistungen sind von ihm nicht überliefert. Dennoch ist er ein interessiertes Mitglied der Royal Society, 1684 wird er sogar für zwei Jahre ihr Präsident. Im Mai 1679 wird Pepys wegen vermeintlicher "katholischer Umtriebe" für eine Weile im Tower inhaftiert dabei interessiert der Katholizismus Mr. Pepys überhaupt nicht.
Samuel Pepys ist heute eine der bekanntesten Persönlichkeiten der englischen Restauration - wegen seiner "geheimen Tagebücher" aus den Jahren 1660-69. Darin kann man alles, was man wissen möchte, über ihn erfahren, und auch noch ein bisschen mehr. 1669 hört er mit dem Tagebuchschreiben auf, da er davon überzeugt ist, dass er in Kürze erblinden wird. Erblindet ist er nie.
Dr. William Croune (1633-1684)
Londoner Arzt mit florierender Praxis; daneben auch Professor für Rhetorik. Gründungsmitglied der Royal Society. Wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, interessiert sich auch Croune für jedes Geheimnis der Natur, sei es physikalischer, chemischer, meteorologischer, mathematischer oder biologischer Art. Sein Steckenpferd ist die Embryonalentwicklung er beschreibt als einer der ersten die "Bildung des Kükens im Ei". Über sein Leben ist wenig bekannt.
Dr. Nehemiah Grew (1641-1712)
Arzt, der nicht praktiziert, um mehr Zeit für die Wissenschaft zu haben. Er lebt weitgehend von Gastprofessuren. Sein Hauptinteresse gilt der vergleichenden Anatomie bei Tieren und Pflanzen. Grew gilt als einer der Begründer einer modernen Botanik, die über Taxonomie hinausgeht und komparativ arbeitet.
Grew katalogisiert von 1679 an das naturkundliche Kabinett der Royal Society. Das Ergebnis ist 1681 bei Rawlins in London erschienen und heißt: "Musaeum Regalis Societatis, Or a catalogue and description of the natural and artificial rarities belonging to the Royal Society and preservd at Gresham Colledge". Der Katalog ist Daniel Colwall zugeeignet (einem Mitglied der RS, über das wenig in Erfahrung zu bringen ist); beigeschlossen ist Dr. Grews Abhandlung über das Verdauungssystem.
Die Schätze des Kabinetts, wie sie im Roman dargestellt sind, sind zu großen Teilen in Grews Katalog beschrieben und abgebildet. Dr. Grews Kunst der Bestimmung lässt sehr zu wünschen übrig.
Robert Hooke (1635-1703)
2. Die Herrschaften von Stand
King Charles II. (1630-85)
hatte eine schlimme Jugend. Bürgerkrieg, Exil, Vater enthauptet ... Seit der Restauration der Monarchie 1660 versucht er, das wieder gut zu machen und es sich möglichst wohl ergehen zu lassen. Kein politisches Genie. Ein Herr mit Humor. Lord Rochester dichtet
"God bless our good and gracious King,
whose promise none relies on;
Who never said a foolish thing,
Nor ever did a wise one."
John Maitland, Duke of Lauderdale (1616-1682)
Schottischer Royalist, der in den Bürgerkriegen auf der Seite der englischen Krone steht, lange im Tower sitzt und nach der Restauration zum engen Vertrauten der Königs und "Secretary of State" für Schottland avanciert. Er übt dieses Amt wie ein Diktator aus und ist eines der größten Hassobjekte der Geschichte von Schottland. Sein Zeitgenosse Burnet beschreibt ihn wie folgt: "Er sah sehr scheußlichen aus, viel zu groß, sein Haar hing ihm seltsam vom Kopf und seine Zunge schien zu dick für seinen Mund, weshalb er alle bespeichelte, mit denen er sprach."
Barbara Palmer, Duchess of Cleveland (1641-1705)
Ehemalige Mätresse von Charles II (daher auch der schöne Titel). Seit sie sich nicht mehr in die Politik einmischen darf, was sie mit Leidenschaft tat, tröstet sie sich mit hübschen Jungs von den Werften und jedem sonstigen männlichen Wesen, dessen sie habhaft werden kann. Ihre Nymphomanie ist in London sprichwörtlich. Lord Rochester hat sie in einem Gedicht verewigt, welches mit den unsterblichen Zeilen beginnt: Quoth the Duchess of Cleveland to councellor Knight / I´d fain have a prick, knew I how t´come by´t. Bei Mrs. Knight, welche Lady Cleveland auch bei Lord Fearnalls Duell Gesellschaft leistet, handelt es sich um eine mindere Ex-Maitresse des Königs, welche, so sagt man, bei Lady Cleveland gute Sitten lernen wollte.
John Wilmot, Earl of Rochester (1647-1680)
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